Mythen - und ihre Auflösung durch vernetztes Innovationsdenken

Noch bestimmen oft Mythen unser Denken über die Innovatinskraft in unserem Lande. Fünf Mythen werden nebenstehend konfrontiert mit Fakten, die Thomas Sattelberger unter Einbeziehung einer Studie von A.T.Kearney zusammengestellt hat.

Ihre Auflösung kann, so die Überzeugung der Macher dieser Konferenz, nur gelingen durch vernetztes Denken im Schlüsselfeld der Zukunftsgestaltung, konkret: in der Entwicklung eines ganzheitlichen Innovationsverständnisses von technischen, digitalen und sozialen Innovationen anstatt eines verkürzten Industrie 4.0-Ansatzes.

Mythos 1: Der Mittelstand bildet auch zukünftig das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Fakten:

  • nur 14% unserer „Top 50 Hidden Champions“ sind in Zukunftsbranchen tätig
  • nur 6% der „Top 50 Hidden Champions“ wurden in den letzten 50 Jahren gegründet
  • kein deutsches Unternehmen unter den Top 3 in den herausragenden Zukunftsbranchen Batterietechnik, Biotechnologie und Solarmodule
  • nur 8,17% der deutschen Start-ups sind MINT-Start-ups
  • viel zu schwache Wagniskapital-Kultur
  • bei 2/3 der familiengeführten Unternehmen treten bei familiärer Übergabe oder Verkauf massive Komplikationen auf

Mythos 2: Die produzierende Industrie sichert Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland.

Fakten:

  • Dienstleistungen sind schon heute wichtiger und wachsen schneller als produzierende Industrie
  • produzierende Industrie beschäftigt in Deutschland immer weniger Mitarbeiter
  • gemessen am BIP investieren Unternehmen immer weniger in ihre Produktionsanlagen in Deutschland
  • 2013 schufen DAX-Unternehmen netto 6-fach mehr Jobs im Ausland als in Deutschland

Mythos 3: Wir sind ein wachstums- und innovationsfreundliches Land.

Fakten:

  • im Vergleich zu 16 anderen hoch entwickelten Ländern sehr mäßiges gesellschaftliches Innovationsklima
  • 43% der Mittelständler verfolgen eine Ein-Produkt-Strategie und riskieren damit Einbahnstraßenökonomie
  • nur 25% der Mittelständler halten Investitionen in Wachstum für notwendig
  • nur 31% der Deutschen haben Vertrauen gegenüber Innovationen
  • die Verbreitung kooperativer Führung ist in den letzten 25 Jahren massiv gesunken
  • die beschwerdefreie Lebenserwartung liegt in Schweden um 13 Jahre höher als in Deutschland

Mythos 4: Der Unternehmergeist ist stärker als die Beamtenmentalität.

Fakten:

  • nur 0,93% der deutschen Mitarbeiter halten Anteile am Unternehmenskapital (Platz 15 im europ. Vergleich)
  • 85% der deutschen Arbeitnehmer haben keine oder eine geringe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitsplatz
  • für 54% ist Sicherheit der wichtigste Treiber bei der Arbeitgeberwahl
  • 32% der Studenten streben öffentlichen Dienst an, 72% wollen keine Unternehmer werden
  • nur Platz 41 von 60 bei Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bei neuen Herausforderungen
  • Die Arbeitsorganisation deutscher Unternehmen ist im internationalen Verlgeich durch komplexere, schwierigere Aufgaben bei gleichzeitig geringeren Freiheitsgraden geprägt
  • nur 4% der DAX-30 Vorstände haben unternehmerische Erfahrungen

Mythos 5: Der Staat treibt die Entbürokratisierung erfolgreich voran.

Fakten:

  • 77% der Gründer in Deutschland bewerten das deutsche Schulsystem im Hinblick auf Förderung und Vermittlung von unternehmerischem Denken und Handeln mit der Note 5 (33%) oder 6 (44%)
  • Gründungsbürokratie ist in Deutschland mehr als 5-fach zeit- und verfahrensintensiver als z.B. in Singapur
  • Staat verursacht jährlich 47 Mrd. Euro Bürokratiekosten bei Unternehmen
  • mehr als 90% der Unternehmen halten die Verwaltung für eine Innovationshürde
  • 70% denken dies über die politischen Rahmenbedingungen